Forstpflanzenzüchtung

Die Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) fördern im Rahmen des Waldklimafonds (WKF) Projekte, die einen Beitrag zur Anpassung unserer Wälder an den Klimawandel und zur CO2- Minderung leisten.
Die Bewältigung der jetzigen und künftigen Anforderungen an eine multifunktionale Forstwirtschaft unter Beachtung der Klimaerwärmung können durch eine Anpassung und Intensivierung der Forstpflanzen-züchtung unterstützt werden.
Mit waldbautechnischen Maßnahmen kann das Potential der Waldbäume optimal ausgenutzt werden, jedoch ist eine Erhöhung der Widerstandfähigkeit gegen abiotische Umwelteinflüsse, wie z.B. Trockenheit oder Sturm oder eine Verbesserung der Resistenz gegenüber verstärkt auftretenden Pilzerkrankungen und Schadinsekten auch durch die Verwendung von angepasstem, höherwertigem Vermehrungsgut möglich. Ein vorrangiges Ziel der Züchtungsanstrengungen ist es daher, die Toleranz gegenüber Umwelteinflüssen zu erhöhen und die Resistenz zu verbessern. Die Nutzung und Erhaltung breiter forstgenetischer Ressourcen stellt somit auch die Grundlage für die Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Umweltbedingungen dar und ist ein Faktor, welcher die Stabilität und Vitalität von natürlichen, naturnahen und stark durch den Menschen beeinflussten Waldökosystemen entscheidend beeinflusst.
Forstpflanzenzüchtung kann damit einen Beitrag leisten, um die zukünftigen Herausforderungen in Zeiten des Klimawandels zu bewältigen. Sie verfolgt das Ziel, Waldbäume in ihren Erbanlagen so zu beeinflussen, dass die Eigenschaften der Bäume bestimmten Anforderungen besser gerecht werden. Dies betrifft nicht nur Wuchs- oder Qualitätseigenschaften, sondern auch die Erhaltung der Anpassungsfähigkeit (Stabilität und Vitalität). Grundvoraussetzung für die Züchtung ist das Vorhandensein genetischer Variation aus der selektiert werden kann.
Nachdem im November 2011 ein erster Workshop zur Forstpflanzenzüchtung stattfand (Gülzower Fachgespräche, Bd. 36) wurde eine Reihe von Forschungsprojekten im Rahmen des WKF und innerhalb des Förderprogramms Nachwachsende Rohstoffe in die Wege geleitet.
Zur Evaluierung des bestehenden FuE-Bedarfs im Bereich Forstpflanzenzüchtung wurde in Februar 2019 ein weiterer Workshop durchgeführt. Im Ergebnis konnte eine Matrix entwickelt werden, die auf der einen Seite die zu bearbeitenden Baumarten und auf der anderen Seite die Kriterien/Zuchtziele bzw. die notwendigen Maßnahmen zur Umsetzung der Zuchtziele enthält.

Auf Grundlage dieser Matrix konnte der FuE-Bedarf in der Forstpflanzenzüchtung eindeutig identifiziert
werden und mündet in den vorliegenden Förderaufruf „Forstpflanzenzüchtung“.
In Auswertung der genannten Matrix und der vorgenommenen Priorisierung werden insbesondere
Vorhaben zu folgenden Baumarten, Themenbereichen (Kriterien/Zuchtziele, Maßnahmen) und den
aufgeführten Teilaspekten gefördert:

Baumarten

  • Waldkiefer, Douglasie, Rotfichte, Eur. & Hybridlärche, Weißtanne, Stiel- und Traubeneiche, Bergund
    Spitzahorn, Gemeine Esche
    - Die Züchtungsaktivitäten bei Kiefer, Douglasie, Fichte, Lärche, Bergahorn und Eichen sind
    fortzusetzen. Intensiv züchterisch sollten auch Esche und Spitzahorn bearbeitet werden. Die
    vorhandenen Züchtungsaktivitäten bei der Weißtanne sind auszubauen.
  • Rotbuche, Roteiche, Flatterulme, Lindenarten
  • Hainbuche, Elsbeere, Nussbaumarten, Küstentanne, Birkenarten, Feldahorn
    - Als zweite Gruppe zur Aktivierung von Züchtungsarbeiten sind Rotbuche, Roteiche, die
    Lindenarten und Flatterulme zu nennen, gefolgt von weiteren einheimischen Laubbaumarten,
    aber auch der Küstentanne.
  • Weitere Baumarten Bundesländer- bzw. Standort-spezifisch:
    - Die Projektförderung anderer, bisher nicht genannter Baumarten wird einzelfallweise geprüft,
    z.B. Erle, Baumweide, Zedern u.a. Baumarten mediterraner Herkunft, Robinie, Aspe, Vogelkirsche

Zuchtziele

  • Anpassung an abiotische Faktoren (Standort, Klima, Frost, Trockenheit)
  • Höhere genetische Ausstattung (Struktur, Vielfalt)
  • Nachhaltige Saatgutversorgung, einschließlich Saatgutgesundheit und -qualität
  • Wuchsleistung (Volumen)
  • Qualitätsmerkmale (Form)
  • Vitalitätsmerkmale
  • Resistenz gegenüber Pilzkrankheiten
  • Resistenz gegen bestimmte Schadinsekten

Wichtige Maßnahmen zur Umsetzung

  • Anlage von Herkunftsversuchen und Bestandesabsaatenprüfungen
  • Selektion von Plusbäumen
  • Anlage von Samenplantagen

Weitere Maßnahmen zur Umsetzung

  • Erfassung genetischer Strukturen
  • Identifizierung merkmalsrelevanter Gene
  • Einschätzung epigenetischer Effekte
  • Erfassung Genotyp-Umwelt-Interaktionen
  • Verbesserte Phänotypisierung (u. a. Automatisierung, physiologische Merkmale)
  • Studien zum Reproduktionssystem in Beständen und Samenplantagen "Genomic selection"
  • Erhaltung der genetischen Vielfalt

Allgemeine Informationen
Mit dem befristeten Aufruf zur Einreichung von Projektskizzen sollen innovative Vorhaben identifiziert werden, die die o.g. Themen voranbringen. Ein hoher Innovationsgehalt der Projektskizzen und eine angemessene Abgrenzung zu abgeschlossenen und laufenden Forschungsarbeiten sind Grundvoraussetzungen für eine Förderung.
Details zum Ablauf des Antragsverfahrens sowie weitere Informationen finden Sie aufhttps://www.waldklimafonds.de/antragsverfahren/ sowie im „Leitfaden für das Einreichen von Skizzen und Anträgen“ (https://mediathek.fnr.de/leitfaden-foerderung-wkf.html) des Projektträgers FNR.
Projektvorschläge können bis zum 21.01.2020 bei der FNR eingereicht werden. Mittel für eine Förderung im Rahmen dieses Aufrufes stehen nur begrenzt zur Verfügung, es gilt der Haushaltsvorbehalt. Zur Erstellung von Projektskizzen steht die internetbasierte Plattform easy-Online zur Verfügung.

Veröffentlichungsdatum: 21. Oktober 2019

Ihr Ansprechpartner beim WKF:
Albrecht Freiherr von Lynckera.lyncker@fnr.de   Tel: 03843 6930-346

Einreichungsfrist für Anträge:
Dienstag, der 21. Januar 2020

Links:
Website des Waldklimafonds

 Förderrichtlinie

Leitfaden zur Antragstellung

Waldbrände – Herausforderungen bei der Vermeidung und Bewältigung angehen

Nach den Dürreperioden und den Wald- und Vegetationsbränden in den Jahren 2018/2019 ist das Thema Waldbrand in Deutschland im Bewusstsein aller Bevölkerungsgruppen angekommen – und nicht mehr nur ein Thema bei Feuerwehren, Waldbesitzern und Forstverwaltungen.
Die Wahrscheinlichkeit für längere Dürreperioden im Sommer durch den voranschreitenden Klimawandel wird sich erhöhen – und damit auch die Wahrscheinlichkeit für Wald und Vegetationsbrände. Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftler warnten bereits vor der Waldbrandsaison im letzten Jahr, dass uns heute ungewöhnlich heiß und trocken vorkommende Sommer in naher Zukunft die Normalität sein werden. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, die Herausforderungen bei der Vermeidung und Bewältigung von Waldbränden und von Bränden auf Vegetationsflächen, die unmittelbar an Waldbestände angrenzen, neuzu überdenken.
Im Rahmen des FNR-Fachgesprächs „Waldbrand – Herausforderungen bei der Vermeidung und Bewältigung“ am 15.08.2019 wurde der aktuelle Handlungsbedarf zu diesem Themenkomplex aus Expertensicht erfasst. Auf Basis der Ergebnisse dieses Fachgesprächs erfolgt dieser Förderaufruf.

Ihr Ansprechpartner beim WKF:
Albrecht Freiherr von Lyncker
a.lyncker@fnr.de
+49 3843 6930-346


Einreichungsfrist für Anträge:
Freitag, der 29. November 2019

Website des Waldklimafonds
Förderrichtlinie des Waldklimafonds
Leitfaden Waldklimafonds-Richtlinie