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Presse

Moos und Totholz als Gehilfen für den Wald

Waldökophysiologie im Klimawandel: Acht neue Projekte am Start

Um Wälder unter klimabedingten Standortveränderungen vital und resilient zu halten, fördern die Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und für Umwelt, Naturschutz nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) über den Waldklimafonds seit 2021 auch transdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsvorhaben und Modellprojekte zur Waldökophysiologie im Klimawandel. Nach dem 2020 von BMEL und BMUV herausgegebenen Förderaufruf „Waldökophysiologie und Klimawandeleffekte“ gingen inzwischen die ersten Fördervorhaben an den Start.

Die acht Beteiligten entwickeln binnen drei bis fünf Jahren Modellprojekte zur Demonstration von Waldbauverfahren für klimatolerante und anpassungsfähige Mischwaldökosysteme und Methoden zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes.

Verjüngt und sturmstabil

Die Technische Universität Dresden beispielsweise wird in ihrem am 1. November 2022 gestarteten Projekt WAIKLIM Optionen zur Überführung verschiedener Altbestände in klimaangepasste Wälder erarbeiten. Dazu werden in experimentell aufgelichteten alten oder mittelalten Buchen- und Kiefernwäldern sowie in natürlich entstandenem Vorwald Stieleiche, Buche, Douglasie und Weißtanne gepflanzt. Über Messungen des Wasserhaushalts im Bestand und zum Wachstum der Verjüngung sollen ökologische Effekte dargestellt werden, aus denen sich die bestmögliche Wasserversorgung für Verjüngungspflanzen ableiten lässt. Überdies werden die Wissenschaftler über die Berechnung simulierter Windströmungsverhältnisse auf den Versuchsflächen das Sturmwurfrisiko der Altbestände minimieren. Am Ende wollen sie fundierte Aussagen über Intensität und räumliche Anordnung forstlicher Eingriffe im Altbestand treffen und Muster-Stammverteilungspläne für erfolgreich verjüngte, sturmstabile Bestände erstellen.

Waldmoose als Wasserspeicher

Ein Projektkonsortium der Tübinger Eberhard-Karls-Universität und des Cottbuser Centrums für Energietechnologie Brandenburg CEBra e.V. untersucht seit September 2022 im Verbundvorhaben AnKliMoos Möglichkeiten zur Erhöhung von Wasserrückhaltung, Bodenstabilität und CO2-Bindung in Waldböden durch Moose. Dazu legen die Wissenschaftler neben einem Gewächshausversuch im Botanischen Garten der Universität Tübingen zwei Freilandversuche mit natürlichen Waldmoosgesellschaften sowie mit gezüchteten Moosen auf einem Standort mit stabiler Jahresmitteltemperatur und Niederschlagsmenge in Baden-Württemberg und in einem Brandenburgischen Waldgebiet mit im Schnitt höherer Temperatur und langanhaltenden Trockenzeiten an. Mit den Versuchen wollen sie u. a. klären, ob und in welchem Umfang Moose Bodenwasserhaushalt und Trockenresistenz von Waldböden beeinflussen, wie sie die Bodenoberfläche stabilisieren, nach Extremereignissen erosionsmindernd wirken und welche regionalen und klimatischen Unterschiede es in der ökohydrologischen Wirkungsweise der Moose gibt. Auch Ökophysiologie und Kohlenstoffbindungsfähigkeit von Waldmoosen und ihre Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf werden untersucht. Am Ende des Projekts sollen Aussagen zur Anpassung von Wäldern an den Klimawandel durch den Einsatz von Moosen für Wasserretention, Strukturstabilität und CO2-Bindung in Waldböden getroffen werden.

Saatverfahren, Nassstandort und Konkurrenz

Mit IntegSaat – hier entwickeln Wissenschaftler der Universität Jena ein Konzept zur Integration von Totholz in Verfahren der Saat von Weißtanne und Stiel-Eiche – und HydroForMix, einem Vorhaben der Landesforst MV mit den Universitäten Rostock und Greifswald zur Etablierung und Bewirtschaftung von Stieleichen-Mischwäldern auf Nassstandorten, waren Ende 2021 und im April 2022 die ersten Projekte aus dem Förderaufruf an den Start gegangen. Seit Juni 2022 schließlich untersucht ein Forscherteam der Technischen Universität München mit dem Projekt KomKon die Wechselwirkungen bei der Wassernutzung von Bäumen in zukunftsfähigen Mischbeständen.

Hintergrund:

Dem Förderaufruf „Waldökophysiologie und Klimawandeleffekte“ von BMEL und BMUV war ein Expertengespräch der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) vorausgegangen, bei dem Vertreter aus Wissenschaft und Praxis den aktuellen Handlungsbedarf zum Themenkomplex diskutierten. Basierend auf dem Förderaufruf werden bewilligte Projekte zu drei Themenbereichen aus dem Waldklimafonds gefördert: (A) Modellprojekte zur Demonstration von Waldbauverfahren zur Entwicklung klimatoleranter und anpassungsfähiger Mischwaldökosysteme und zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes,  (B) Modellprojekte zur Weiterentwicklung forstlicher Monitoringsysteme zur wissenschaftlichen Analyse der Klimawandelwirkung auf Waldökosysteme und (C) angewandte Forschung u. a. zur Identifikation der Waldvegetationspotenziale, zur Bewertung von Stressfaktoren, zur Identifikation klimatoleranter und anpassungsfähiger Baumarten und zur Ursache-Wirkung-Analyse aktueller Waldschäden.

Der Waldklimafonds wurde gemeinsam von BMEL und BMUV aufgelegt.

Die FNR ist als Projektträger des BMEL für das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe aktiv. Sie unterstützt als Projektträger auch Vorhaben der Förderrichtlinie Waldklimafonds.

Zugehörige Dateien:

Einzelvorhaben: Waldbau im Klimawandel – Verfahren der Überführung bestehender Bestände zu klimawandeltauglichen Wäldern (Akronym: WAIKLIM)
Technische Universität Dresden - Fakultät Umweltwissenschaften - Fachrichtung Forstwissenschaften - Institut für Waldbau und Waldschutz - Professur für Waldbau, Tharandt
https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2220WK66X4

Verbundvorhaben: Anpassungen an den Klimawandel – Erhöhung der Wasserretention, Bodenstabilität und CO2-Bindung in Waldböden durch Moose (Akronym: AnKliMoos)
Teilvorhaben 1: Auswirkungen bei stabilen Niederschlägen - Naturpark Schönbuch, Baden-Württemberg; Eberhard Karls Universität Tübingen
https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2220WK67A4
Teilvorhaben 2: Ökophysiologie, Ökohydrologie, Mikroklima; CEBra-Centrum für Energietechnologie Brandenburg e.V. Cottbus
https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2220WK67B4

Verbundvorhaben: Bewirtschaftung von Stieleichen-Mischwäldern auf Nassstandorten, (Akronym: HydroForMix)
Pressemitteilung:
https://www.waldklimafonds.de/service/presse/presse-detail/waldbau-mit-nassen-fuessen

Einzelvorhaben: Effiziente Mischungen zukunftsweisender Baumarten zur Verbesserung des Wasserhaushalts – Komplementarität vs. Konkurrenz (Akronym: KomKon)
Pressemitteilung:
https://www.waldklimafonds.de/service/presse/presse-detail/ressource-wasser-eiche-sucht-foerderliche-nachbarn

Einzelvorhaben: Integration von Totholz in Verfahren der Direktsaat von Weißtanne (Abies alba) und Stiel-Eiche (Quercus robur) zur Begründung stabiler, klimatoleranter Mischwaldökosysteme im Stadtwald Hildburghausen (Akronym: IntegSaat)
Pressemitteilung:
https://www.waldklimafonds.de/service/presse/presse-detail/totholz-fuer-die-naechste-waldgeneration

Fachlicher Ansprechpartner:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.
Benedikt Wilhelm
Tel.: +49 3843 6930-342
Mail: b.wilhelm(bei)fnr.de

Pressekontakt:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.
Martina Plothe
Tel.: +49 3843 6930-311
Mail: m.plothe(bei)fnr.de

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PM 2022-114

Flechten, Moose, Pilze und Grünalgen sind eine wichtige Lebensgemeinschaft auf den Böden unserer Wälder und bilden eine „biologische Bodenkruste“ aus. Foto: Maik Veste

Flechten, Moose, Pilze und Grünalgen sind eine wichtige Lebensgemeinschaft auf den Böden unserer Wälder und bilden eine „biologische Bodenkruste“ aus. Foto: Maik Veste

Die „biologische Bodenkruste“ spielt als Kohlenstoffsenke und Wasserspeicher eine wichtige Rolle für die ökologischen Prozesse des Bodens und damit des Waldes. Maik Veste

Die „biologische Bodenkruste“ spielt als Kohlenstoffsenke und Wasserspeicher eine wichtige Rolle für die ökologischen Prozesse des Bodens und damit des Waldes. Maik Veste

Moospolster in Kiefern- und Fichtenwäldern können wie ein Schwamm das Regenwasser aufnehmen. Foto: Maik Veste

Moospolster in Kiefern- und Fichtenwäldern können wie ein Schwamm das Regenwasser aufnehmen. Foto: Maik Veste