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Presse - Detail

Hoffnung für die Esche

Start für 27 neue Forschungsvorhaben zum Eschentriebsterben

Mit dem Demonstrationsvorhaben FraxForFuture starten die Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) ein bislang beispielloses Projekt zur Rettung der Gemeinen Esche. Das Vorhaben wird mit 9,16 Millionen Euro aus dem Waldklimafonds gefördert.

Bundesweit nehmen für FraxForFuture zwischen dem 1. Juli 2020 und dem 1. Januar 2021 fünf Forschungsverbünde in 27 Teilprojekten ihre Arbeit auf. Gemeinschaftliches Ziel ist die Entwicklung praktikabler Lösungen zum Erhalt der bestandsbedrohten Esche (Fraxinus excelsior) als bedeutende Ökosystem- und Wirtschaftsbaumart. Erstmals in Deutschland werden projektübergreifend sämtliche relevanten Fachdisziplinen eingebunden. In enger Abstimmung bearbeiten Wissenschaftler und Praktiker Aspekte des Monitorings, der Genetik und Züchtung, der Phytopathologie, des Forstschutzes und des Waldbaus. Aus den Erkenntnissen werden Strategien für die forstliche Praxis zu Anbau, Behandlung und Bewirtschaftung der Esche und zum Umgang mit dem sich rasch ausbreitenden Erreger des Eschentriebsterbens entwickelt.

Drastischer Rückgang der Esche in Deutschland

Auslöser für den drastischen Rückgang der Eschenvorkommen in hiesigen Mischwäldern seit 2002 ist der Schlauchpilz Eschenstengel-Becherchen (Hymenoscyphus fraxineus). Befallene Eschen gehen nach Absterbeerscheinungen an Trieben und Stammfuß und nachfolgendem Schädlingsbefall binnen weniger Jahre zugrunde. Ein verschwindend geringer Teil der Eschen scheint gegenüber dem Erreger tolerant zu sein. Die Zukunft der Esche im Ökosystem Wald ist bis dato ungewiss, Forstbetrieben entstehen durch das Eschentriebsterben gravierende Schäden.

Forschung will Eschentriebsterben stoppen

FraxForFuture vereint die Forschungsverbünde FraxConnect mit dem Schwerpunkt Koordination, Wissenstransfer und Strategieentwicklung, FraxMon für das Monitoring – etwa zur Ausbreitung oder zur Früherkennung des Befalls mit dem Pathogen –,  FraxGen für genetische Analysen und Resistenz-Züchtung, FraxPath für phytopathologische Untersuchungen und Aspekte des Waldschutzes und FraxSilva für die Evaluation geeigneter Waldbausysteme für Erhalt und Stärkung der Esche.

Basis für das gemeinsame Vorgehen sind deutschlandweit 20 Monitoringflächen zur Dauerbeobachtung und Kartierung vitaler respektive infizierter Eschenbestände. Auf den Flächen werden unter anderem Nachkommen von gesunden und widerstandfähigen Eschen (so genannten Plusbäumen) gewonnen und unter Konfrontation mit dem Schaderreger vermehrt. Mit molekular-genetischen Untersuchungen von Pflanzengewebe wird etwa nach Biomarkern gesucht, die auf eine genetisch bedingte Disposition für Anfälligkeit oder Resistenz gegen das Pathogen hinweisen. Daneben wird beispielsweise der Einfluss von Standortfaktoren auf den Schlauchpilz und mit ihm assoziierte Pilzpopulationen untersucht. Das Infektionsrisiko junger Eschen in Abhängigkeit vom Abstand zu Altbäumen oder von benachbarten Baumarten in Eschen-Mischbeständen ist Gegenstand weiterer Untersuchungen. Jegliche Forschungsergebnisse fließen in einer projektübergreifenden Datenbank zusammen.

Zum Projektende im Frühjahr 2024 werden nicht nur ein bundesweit einheitliches Eschen-Monitoring und waldbauliche Strategien zur Pflege, Nutzung und Verjüngung der Esche etabliert. FraxForFuture wird, so die Hoffnung der Projektbeteiligten, auch zum Aufbau eines Eschen-Genpools mit hohem Anpassungspotenzial beigetragen haben.

Hintergrund:

Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) ist eine europäische Baumart mit einer Wuchshöhe von etwa 20 Meter; an optimalen Standorten kann sie eine Höhe von bis zu 40 Meter erreichen. Anzutreffen ist die Esche zumeist in Gesellschaft mit der Buche in Mischwäldern auf feuchteren (Auwald) oder trockeneren Standorten (Kalkböden).

Seit Beginn der 1990er Jahre wird die Esche von dem zuerst in Polen beobachteten und inzwischen europaweit verbreiteten Eschensterben bedroht, das von dem Schlauchpilz Hymenoscyphus fraxineus verursacht wird. Der aus Ostasien stammende Pilz trat erstmals 2002 in Deutschland auf.

Mit dem Eschentriebsterben fällt die Gemeine Esche zunehmend als Stabilisator von rutschgefährdeten Hängen, Bach- und Flussufern aus. Durch ihr weitverzweigtes Wurzelsystem mit tief reichenden Pfahl- und Senkerwurzeln schützt sie vor Bodenerosion und befestigt Uferböschungen. Zudem bietet die Gemeine Esche zahlreichen Insekten und Vögeln einen wichtigen Lebensraum und Nahrung für Wildtiere, die sich von Zweigen und Knospen der Jungpflanzen ernähren. Mit dem sukzessiven Sterben der Esche gehen auch wirtschaftliche Einbußen für die Forst- und Holzwirtschaft einher.

Die Esche gehört nach Buche und Eiche zu den wichtigsten einheimischen Laubbäumen. Ihr schweres, festes und zugleich biegsames Holz kommt als Konstruktionsholz, für Fußböden, Möbelbau und Innenausstattung, im Fahrzeugbau sowie für die Herstellung von Turngeräten oder Werkzeuggriffen zum Einsatz. Von Schaderregern befallenes Eschenholz ist durch Verfärbungen, Holzfäulen oder Insektenbohrlöcher beeinträchtigt.

Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung rief Ende 2017 den Koordinierungskreis Esche ins Leben, der Aktivitäten zum Erhalt der Gemeinen Esche bündelte und den aktuellen Forschungsbedarf ermittelte. Gemeinsam mit dem Koordinierungskreis erarbeitete die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) ein Forschungskonzept zum Eschentriebsterben, auf dem auch das über den Waldklimafonds finanzierte neue Demonstrationsvorhaben FraxForFuture fußt.

Der Waldklimafonds wurde im Juni 2013 als Bestandteil des Energie- und Klimafonds gemeinsam von BMEL und BMU aufgelegt.

Die FNR ist seit 1993 als Projektträger des BMEL für das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe aktiv. Sie unterstützt als Projektträger auch Vorhaben der Förderrichtlinie Waldklimafonds.

Zugehörige Dateien:
Übersicht aller Teilprojekte zum Eschentriebsterben

Pressekontakt:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Martina Plothe
Tel.: +49 3843 6930-311
Mail: m.plothe(bei)fnr.de

Die Verwendung der Fotos ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe NW-FVA Göttingen/Abteilung Waldschutz.

PM 2020-35

 

Ein stark vergrößerter Schlauchpilz (Hymenoscyphus fraxineus). Der Pilz verursacht das Eschentriebsterben. Foto: NW-FVA

Ein stark vergrößerter Schlauchpilz (Hymenoscyphus fraxineus). Der Pilz verursacht das Eschentriebsterben. Foto: NW-FVA

Verkahlte Krone einer mit dem Schlauchpilz infizierten Esche (r.). Die benachbarte Esche ist nach dem Pilzbefall abgestorben. Foto: NW-FVA

Verkahlte Krone einer mit dem Schlauchpilz infizierten Esche (r.). Die benachbarte Esche ist nach dem Pilzbefall abgestorben. Foto: NW-FVA

Gesunde Esche mit schöner, kugelförmiger Krone. Foto: NW-FVA

Gesunde Esche mit schöner, kugelförmiger Krone. Foto: NW-FVA

Antragsverfahren

Antragsverfahren

Das Antragsverfahren ist in zwei Stufen aufgeteilt:
1. die Skizzeneinreichung
- bei positiver Bewertung
2. die Einreichung des Antrages

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